Schutzgebiete

Schutzgebiete sind im Allgemeinen abgegrenzte Landschaftsbestandteile, deren Nutzung genauen gesetzlichen Vorgaben unterliegt. Die Entwicklung dieser Gebiete folgt den Zielen des Natur- und Landschaftsschutzes. Zur Zeit sind im Naturpark Nassau zehn Naturschutzgebiete und insgesamt acht Natura 2000, zwei Vogelschutzgebiete und sechs FFH-Gebiete ausgewiesen.

Naturschutzgebiete

Derzeit gibt es im Naturpark Nassau zehn rechtskräftig ausgewiesene Naturschutzgebiete mit einer Fläche von insgesamt 297,7 ha.:

Auf der Schottel bei Osterspai

Das Naturschutzgebiet „Auf der Schottel bei Osterspai“ hat eine Größe von 28 ha. Schutzzweck ist die Erhaltung dieses Landschaftsraumes als Lebensraum seltener, in ihrem Bestand bedrohter Tierarten, insbesondere als Brut-, Rast- oder Überwinterungsgebiet für bestimmte Vogelarten.

Gabelstein/Hölloch

Das Naturschutzgebiet „Gabelstein/Hölloch“ hat eine Größe von ca. 71,5 ha. Schutzzweck ist die Erhaltung des stark zerklüfteten und felsigen Lahnhanges bei Cramberg wegen:

  • seiner besonderen landschaftlichen Eigenart und hervorragenden Schönheit
  • dem Standort wertvoller Pflanzengesellschaften mit seltenen in ihrem Bestande bedrohter Pflanzenarten
  • der Lebensstätte seltener in ihrem Bestande bedrohter Tierarten.
Kiesgrube Einsiedel

Ein bemerkenswertes Amphibiengebiet ist die „Kiesgrube Einsiedel“ bei Singhofen mit einer Größe von ca. 10,5 ha. Schutzzweck ist die Erhaltung dieses Landschaftsraumes mit seinen Feuchtflächen als Lebensraum seltener in ihrem Bestande bedrohter wildwachsender Pflanzenarten und wildlebender Tierarten.

Koppelstein - Helmestal

Das 68 ha große Naturschutzgebiet "Koppelstein-Helmestal" liegt rechtsrheinisch zwischen Oberlahnstein und Braubach. Schutzzweck ist die Erhaltung und Entwicklung des Gebietes mit seiner mosaikartigen Verteilung von Schieferfelsformationen, Trocken- und Halbtrockenrasen, Brachflächen, extensiv genutzten Grünlandgesellschaften, Feuchtbereichen und xerothermen Waldgesellschaften. Des Weiteren dient das Gebiet als Lebensstätte bestimmter wildwachsender Pflanzen- und wildlebender Tierarten und entsprechenden Lebensgemeinschaften. Als Beispiele seien die Vorkommen seltener Orchideenarten wie Bocksriemenzunge und Helmknabenkraut genannt. Auch die Tierwelt hält einige Raritäten bereit. So findet man hier Arten wie die Rotflügelige Ödlandschrecke und die Smaragdeidechse, die hier ihr nördlichstes Vorkommen aufweist.

Nieverner Wehr

Das Naturschutzgebiet „Nieverner Wehr“ hat eine Größe von rd. 7,5 ha. Schutzzweck ist die Erhaltung des Feuchtgebiets mit seinen Wasserflächen, seinen Flachwasserzonen und Feuchtländereien als Lebensraum in ihrem Bestande bedrohter und seltener Tierarten.

Ruppertsklamm

Bei der „Ruppertsklamm“ Lahnstein handelt es sich um einen Schluchtwaldbereich. Es weist eine Fläche von 11,6 Hektar aus. Die Klamm überwindet einen Höhenunterschied von 235 m, ein Wanderweg führt über Brücken und Stege hindurch.

Schleuse Hollerich

Das Naturschutzgebiet „Schleuse Hollerich“ hat eine Größe von ca. 50 ha. Es umfasst Gebietsteile der Stadt Nassau und der Gemeinden Obernhof und Seelbach. Schutzzweck ist die Erhaltung des Feuchtgebietes mit seinen Wasserflächen, seinen Flachwasserzonen und Feuchtländereien einschließlich ihrer charakteristischen Pflanzen- und Tiergesellschaften als Lebensraum in ihrem Bestande bedrohter Tierarten. Im Bereich des Hollerichs ist die wohl stärkste Würfelnatterpopulation der Bundesrepublik Deutschland beheimatet.

Spießweiher

Der „Spießweiher“ bei Montabaur ist ein Teich mit sehr gut ausgebildeten Verlandungsbereichen, Schwimmblattvegetation und bemerkenswerten Vorkommen von Amphibien und Libellen. Schutzzweck ist die Erhaltung des Feuchtgebietes mit seinen Wasser- und Sumpfflächen als Standort seltener Arten und als Brut- und Rastgebiet seltener Vogelarten. Das Gebiet hat eine Größe von rd. 16,6 ha.

Steinbruch Fachingen

Der „Steinbruch Fachingen“, ist ein bemerkenswertes Amphibiengebiet mit einer Größe von ca. 14 ha. Schutzzweck ist die Erhaltung des aufgelassenen Steinbruchs mit seinen Wasserflächen und Flachwasserzonen als Lebensraum in ihrem Bestande bedrohter Tierarten, insbesondere seltener Vogelarten, Amphibien und Reptilien sowie als Standort seltener Pflanzen. Des Weiteren ist er für einige Libellenarten von Bedeutung.

Stelzenbachwiesen

Das Naturschutzgebiet „Stelzenbachwiesen“ hat eine Größe von ca. 20 ha. Schutzzweck ist die Erhaltung des Feuchtgebietes mit seinen Sumpfflächen und anschließenden feuchten Grünlandflächen als Standort seltener Pflanzen sowie als Lebensraum in ihrem Bestande bedrohter und seltener Tierarten, insbesondere seltener Vogelarten.

Fauna-Flora-Habitat-Gebiete

Zum Schutz typischer Biotope der Region wurden nach den Maßgaben der Richtlinie 92/43/EWG (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, kurz FFH-Richtlinie) zum Zweck des länderübergreifenden Schutzes gefährdeter Pflanzen- und wildlebender Tierarten und ihrer natürlichen Lebensräume weitere Schutzgebiete ausgewiesen. Es fallen sechs FFH-Gebiete entweder ganz oder zum Teil in den Bereich des Naturparks Nassau:

Brexbachtal und Saynbachtal

Der Brexbach entspringt im Bereich der Montabaurer Höhe. Das Brexbachtal ist ein Teilgebiet des Fließgewässersystems und FFH-Gebietes "Brexbach- und Saynbachtal". Zu den schützenswerten Arten gehören Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii), Großes Mausohr (Myotis myotis), Groppe (Cottus gobio), Lachs (Salmo salar), Hirschkäfer (Lucanus cervus), Spanische Flagge (Euplagia quadripunctaria), Gemeine Flussmuschel (Unio crassus)Steinkrebs (Austropotamobius torrentium).

Lahnhänge

Das Gebiet „Lahnhänge" reicht vom Limburger Becken bis Lahnstein und schließt einige der Seitentäler, so die von Mühl- und Dörsbach, Dau- und Gelbach und einige angrenzende Waldbereiche mit ein. Sie sind Biotopkomplexe mit thermophiler Felsvegetation, feucht-kühlen Schluchtwald- und Blockhaldenbiotopen und einigen Höhlen mit überwinternden Fledermäusen. Es finden sich Buchenwälder auf teils tümpelreichen Bergrücken und an naturnahen Bachtälern. Schützenswete Arten sind die Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii), Großes Mausohr (Myotis myotis), Gelbbauchunke (Bombina variegata), Kamm-Molch (Triturus cristatus), Bitterling (Rhodeus amarus), Groppe (Cottus gobio), Lachs (Salmo salar), Hirschkäfer (Lucanus cervus), Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea nausithous), Spanische Flagge (Euplagia quadripunctaria), Prächtiger Dünnfarn (Trichomanes speciosum).

Mittelrhein und Rheinhänge zwischen Lahnstein und Kaub

Das FFH-Gebiet "Mittelrhein" befindet sich im Mittelrheintal. Es gehört zu den herausragenden Gebieten wärme- und trockenheitsliebender Lebensgemeinschaften mit vielen seltenen und gefährdeten Arten. Zu nennen sind: Der Ziest- Dickkopffalter (Carcharodus lavatherae), der in Deutschland nur in diesem Gebiet vorkommt oder der Blauschwarze Eisvogel (Limenitis reducta) und der Fetthennen-Bläuling (Scolitantides orion). Auch der Segelfalter (Iphiclides podalirius), Libellen-Schmetterlingshaft (Libelloides coccajus), die Rotflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda germanica), die Westliche Steppen-Sattelschrecke (Ephippiger ephippiger), die Smaragd- (Lacerta bilineata) und Mauereidechse (Podarcis muralis) sowie die Zippammer sind Beispiele für typische Arten der xerothermen Lebensgemeinschaften im Gebiet.

Montabaurer Höhe

Das FFH-Gebiet "Montabaurer Höhe" ist ein großes geschlossenes Buchenwaldgebiet. Die dominierende Waldform ist der Hainsimsen-Buchenwald (Luzulo-Fagetum), gemischt mit Waldmeister-Buchenwald (Asperulo-Fagetum). Wegen ihrer Großflächigkeit und ihres Strukturreichtums mit Quellen und Bachläufen, unterschiedlichen Waldphasen und Lichtungen ist die Montabaurer Höhe von besonderer Bedeutung als Lebensraum für viele spezialisierte Tierarten. Baumhöhlen werden von seltenen und gefährdeten Arten als Quartiere genutzt. Hierzu zählen Schwarz- und Grauspecht, Hohltaube, Raufußkauz und Fledermäuse. Besonders schützenswert und damit Zielart ist die Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii).

Staatsforst Stelzenbach

Das FFH-Gebiet "Staatsforst Stelzenbach" ist ein großflächiger Laubwaldbestand mit hohem Altholzanteil. Die Wälder sind überwiegend dem Lebensraumtyp Hainsimsen-Buchenwald zuzuordnen. Großflächige Wälder mit hohem Altholzbestand sind für viele Tierarten, vor allem Großvogelarten und alt- und totholzbewohnende Insekten, ein Lebensraum, auf den sie angewiesen sind. Der Staatsforst Stelzenbach hat daher in der Westerwaldregion eine herausragende Bedeutung, denn die Waldstruktur aus alten und lichten Baumbeständen ermöglicht das Vorkommen charakteristischer Insekten- und spezialisierter Vogelarten wie Schwarz-, Grau- und Mittelspecht. Auch Fledermäuse nutzen den Wald als Lebensraum. Auch der Dunkle Wieseknopf-Ameisenbläuling (Maculinea nausithous), eine FFH-Anhang II Art, ist dort zu finden.

Westerwälder Kuppenland

Das FFH-Gebiet "Westerwälder Kuppenland" fällt nur zu einem kleinen Teil in den Niederwesterwald und damit in das Gebiet des Naturparks Nassau. Der größte Teil befindet sich im Oberen Westerwald und wird als Oberwesterwälder Kuppenland bezeichnet. Das Westerwälder Kuppenland verdankt seinen Namen den Basaltdecken, –kuppen und –rücken, von denen das devonische Grundgebirge durch den Vulkanismus im Tertiär überzogen und durchbrochen wurde und die heute das Landschaftsbild prägen. Die dominierende Vegetation der naturnahen Waldbereiche ist der Hainsimsen-Buchenwald sowie auf Basaltkuppen der Waldmeister-Buchenwald. Die Vorkommen von Mittel- und Grauspecht in den Wäldern des Gebietes belegen die Lebensraumqualität der heute seltenen lichten, alten Wälder. Altholzreiche Wälder beherbergen Fledermausvorkommen. Schützenswerte Arten sind Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii), Großes Mausohr (Myotis myotis), Gelbbauchunke (Bombina variegata), Kamm-Molch (Triturus cristatus), Bachneunauge (Lampetra planeri), Groppe (Cottus gobio), Blauschillernder Feuerfalter (Lycaena helle), Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea nausithous), und Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea teleius).

Vogelschutzgebiete

Zum Schutz typischer Biotope der Region wurden nach den Maßgaben der Richtlinie 79/409/EWG (Vogelschutzrichtlinie) zum Zweck des länderübergreifenden Schutzes wildlebender Vogelarten und ihrer Lebensräume in der Europäischen Union Vogelschutzgebiete ausgewiesen. Es fallen zwei Vogelschutzgebiete entweder ganz oder zum Teil in den Bereich des Naturparks Nassau:

Lahnhänge

Die meist südexponierten felsreichen Hänge der Lahn im Vogelschutzgebiet "Lahnhänge" sind vorwiegend mit Eichenwäldern verschiedener Nutzungsformen bestockt. Ziel- und wertgebende Arten sind Haselhuhn (Tetrastes bonasia) und Mittelspecht (Dendrocopos medius) aber auch Grauspecht (Picus canus), Neuntöter (Lanius collurio), Rotmilan (Milvus milvus), Schwarzmilan (Milvus migrans), Schwarzspecht (Dryocopus martius), Uhu (Bubo bubo) und Wespenbussard (Pernis apivorus).

Mittelrheintal

Das Vogelschutzgebiet "Mittelrhein" befindet sich im Mittelrheintal. Dieses ist ein Durchbruchstal durch das Rheinische Schiefergebirge. Die schmale Aue ist eingerahmt von bis zu 300 m steil aufragenden felsigen Hängen, die früher weinbaulich geprägt, heute in weiten Teilen verbuscht oder bewaldet sind. Die Rheinhänge zwischen Lahnstein und Kaub sind ein Ausschnitt des Mittelrheintals mit vielfältigen Ausprägungen von Xerothermbiotopen, insbesondere Felsen und Gesteinshalden in Verzahnung mit Trockenwäldern und -gebüschen. Flussbiotope sind in Resten vorhanden, sowie naturnahe Bachtäler und Laubwälder. Die Vielzahl der unterschiedlichen Lebensräume und wertgebenden Arten macht die Bedeutung des Gebietes für eine reichhaltige Avizoenose aus. Zielarten der Vogelschutzrichtlinie sind Grauspecht (Picus canus), Haselhuhn (Tetrastes bonasia), Mittelspecht (Dendrocopos medius), Neuntöter (Lanius collurio), Rotmilan (Milvus milvus), Schwarzmilan (Milvus migrans), Schwarzspecht (Dryocopus martius), Schwarzstorch (Ciconia nigra), Uhu (Bubo bubo), Wanderfalke (Falco peregrinus), Wendehals (Jynx torquilla), Wespenbussard (Pernis apivorus) und Zippammer (Emberiza cia).

Karte der Schutzgebiete im Naturpark Nassau

Die nachfolgende Karte zeigt Naturschutz-, Vogelschutz- und FFH-Gebiete die ganz oder nur zum Teil in das Gebiet des Naturparks fallen (zur Großansicht).

Die Karte wurde unter Verwendung der amtlichen Geofachdaten des Landschaftsinformationssystems Rheinland-Pfalz  erzeugt. Sie unterliegen der Open Database Lizenz.